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In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt
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Allmacht
Gott kann nicht einmal abdanken, d.h. einer Machtposition entsagen, weil er eine solche nie innegehabt hat. Soll das Wort »Allmacht« jenseits plumper Potenz- und Omnipotenzprojektionen einen Sinn haben, dann am ehesten den, dass - eben - Gott nicht abdanken und auch nicht entmachtet werden kann. Wer ihm abspricht, was wir unter Macht zu verstehen pflegen, gleicht einem Menschen, der der Katze das Fliegen verbietet. Ein solches Verbot nimmt der Katze nichts von dem, was sie zur Katze macht. Sie bleibt, was sie ist. So auch Gott. Er hat sowenig Macht wie die Katze Flügel. Gott ist Liebe (1.Johannes 4,8.16). Dass er abgedankt haben oder dass man ihn entmachten könnte - das sind männliche Spiele, die nichts daran ändern werden, dass Gott ist, was er ist: Liebe, Zärtlichkeit, Schmerz.
Kurt Marti (* 31. Januar 1921 in Bern) Schweizer Pfarrer und Schriftsteller
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Der „Ökumenische Rat der Kirchen“ (ÖRK) hat auf seiner 9. Vollversammlung im Februar im brasilianischen Porto Alegre unter dem Motto „In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt“ über die Situation auf unserer Erde nachgedacht und in Gottesdiensten mit diesem Gebetsmotto die biblische Botschaft nach Hoffnung und Verheißung befragt. Die meisten der dort vertretenen über 300 Kirchen sind in der 3. Welt hautnah mit Hunger, Verarmung und Gewalt konfrontiert. Wir - die Christen in Europa - jedoch mussten uns in Porto Alegre die Frage stellen lassen, ob wir die Verwandlung der Welt überhaupt ernsthaft wollten, um die dort die Delegierten gebetet haben. Fühlen wir uns nicht pudelwohl mit unserem Lebensstil, unserem Wohlstand, unserem Unterhaltungsangebot, unseren Auto- und Flugreisen? Ist unser Gebet um die verwandelnde Gnade echt?
Von Gnade zu reden bedeutet paradoxerweise, erst einmal von unserer Schuld und unseren Sünden zu sprechen. Wenn wir Schuld und Sünde nicht so sehr in ihrer persönlichen, sondern in ihrer sozialen Dimension begreifen, richtet sich unser Blick weg vom eigenen ICH auf die anderen, auf die Welt. Gottes Gnade in einer gnadenlosen Gesellschaft im Gebet zu erbitten, heißt nicht die Erlösung der imaginierten Einzelseele aus ererbter Sündenverfallenheit zu erflehen, sondern in biblischer Verheißung für die Befreiung aller aus sündigen politischen und ökonomischen Strukturen und Herrschaftsverhältnissen zu beten und zu arbeiten.
Wir werden viele Privilegien aufgeben, der Weltgemeinschaft unseren unrechtmäßigen Anteil an Ressourcen und Macht zurückgeben, unsere Einstellungen und Verhaltensweisen ändern müssen, wenn wir mit Gottes Gnade und in seinem Namen die Welt verwandeln. Diese Verwandlung wird nicht schmerzlos vonstatten gehen, einfach durch Mildtätigkeit – indem die Besitzenden sich den Besitzlosen gegenüber großzügig zeigen. Vielmehr muss Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung mit großem persönlichen Einsatz erstritten werden. Das Neue, um dessentwillen wir Gottes Gnade erbitten, nannte Jesus Reich Gottes. Im Vaterunser beten wir: „Dein Reich komme!“ Ang esichts dieser Zusage Jesu brauchen wir uns - wie es immer wieder leider auch Kirchenleitende tun - nicht den Mächtigen und Einflussreichen in Wirtschaft und Staat anzudienen. Wir brauchen keine Ehrenbezeugung vor dem herrschenden System zu machen, denn wir sind – auch noch unter dem Kreuz – gehalten von Seiner Gnade, die Mächtige vom Thron stürzt und Armen und Ausgegrenzten das Reich Gottes verheißt. Den Hungernden und Elenden gibt ER ihre Würde zurück, die das System ihnen genommen hat, weil sie seine Ebenbilder, seine Töchter und Söhne sind. Als Kinder Gottes geht es uns nicht darum, den Kirchen einen Platz im Machtgefüge der Welt zu sichern, sondern dafür zu sorgen, dass sie die Stimme der Stimmlosen, der Armen und Ausgegrenzten sind.
Die Gnade Gottes, die unsere gnadenlose Welt verwandeln wird, gleicht einem Baum, dem Baum des Lebens inmitten eines Systems des Todes. Die Frage, die uns die versammelten Christen von Porto Alegre stellen, lautet: „Sind wir bereit, ein Blatt an den Bäumen des Lebens zu sein? Sind wir bereit, der Versuchung zu widerstehen, sich vor den weltlichen Göttern der Ausbeutung und Unterdrückung zu verneigen? Sind wir bereit, dass unser Leben und unsere Kirchen der Verwandlung der Welt dienen? Vergessen wir nicht, dass wir Zugang haben zu der Kraft, ein Blatt zu sein, der Kraft, die aus der Bindung an die Bäume des Lebens erwächst“ (Pfarrerin Robina Windbush, USA, auf dem Schlussgottesdienst in Porto Alegre).
Klaus Körner
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