Gott, für deine Liebe danke ich dir!

„Summertime, when the living is easy…“, oft summe ich diesen Sommer den Hit aus der Westside-Story. Noch ein bisschen Sommer liegt vor uns, Sommer, vielleicht wirklich eine Jahreszeit, in der es leichter fällt, glücklich zu sein.

Ich bin glücklich – und ich genieße es aus vollem Herzen. Oft nur ein kurzer Moment, aber ich staune über dieses Gefühl! Wie wunderbar ist es, glücklich zu sein, zufrieden zu sein, ich bin dankbar dafür. Und mein Glück schwappt über, ist ansteckend.
Dass ich Gott für mein Glück danken kann, macht mich noch froher. Glücklich zu sein, bedeutet für mich ein wenig, auf einem Aussichtsturm zu stehen, Vertrautes neu wahrzunehmen, und mich Gott nahe zu fühlen. Ich möchte gerne anhalten und aussteigen aus dem Alltag. Und ich möchte das Glück festhalten und es sichern. Mein Kopf fängt an zu rattern: „Was macht mich so glücklich?“, oder: „Wie kann ich auch in Stresszeiten dazu beitragen, dass ich mit meinen Lieben glücklich bleibe?“. Oder weiter grübele ich, was denn eigentlich Stresszeiten sind. Sind es nicht Zeiten, die sich wie Krieg anfühlen, d. h. ich habe nur noch ganz wenig, muss es festhalten, gegen Angriffe verteidigen. Ich bin kleinmütig, muss wachsam sein, muss mich selbst sichern. Nach außen bin ich fest, obwohl mein Selbstbewusstsein am Boden ist, von überall vermute ich nur Angriffe, Schlechtes....
Und doch weiß ich, dass ich diese frohen Momente nicht festhalten kann, dass sie ein Geschenk an mich sind. Mein freudiger Blick fällt auch auf anstehende Aufgaben: Welch großer Unterschied: Nicht ein Hinterhereilen hinter ungnädigen Maßstäben - meinen eigenen und denen von anderen -, sondern Freude und Glück und Überschuss erweisen sich als ein Motor, der schier unerschöpflich scheint.
In solchen Momenten möchte ich das üben, was mir in Stresszeiten fast unmöglich ist: Gut zu sein zu meinen Nächsten und zu mir selbst in gleicher Weise. Wie gut, dass es solche Zeiten gibt, wo ich es leichter üben kann.

Wer ist mein Nächster oder meine Nächste? Auch hier macht es mein Glücklichsein einfacher, die Antwort auszuweiten. In Zeiten, in denen ich mich selber sichern muss, ist es schwieriger.
Wie gut auch, dass es die Gebote in der Bibel gibt, die mir zeigen, wie ich Leben lernen und auf Gott vertrauen kann. Regeln, auf die ich immer wieder neugierig bin, die sich mir immer wieder in neuem Licht zeigen, mit jeder Erfahrung, die ich neu gemacht habe.
Und vor allem: Regeln, die ganz anders sind als die Regeln, die ich in meinem Erwachsenenleben erlernt habe, obwohl diese mir oft helfen, meinen Kopf oben zu behalten.
Böses mit Gutem zu vergelten ist in glücklichen Zeiten einfacher, aber es fällt mir auch jetzt noch schwer. Beim Streiten bin ich wieder schnell dabei, mich selber zu sichern, Gut von Böse zu unterscheiden. Dabei spüre ich, dass ich vielleicht Gutes tun kann, nicht, weil ich selbst gut bin (vielleicht liegt doch ein Körnchen Wahrheit in den Argumenten der Mitstreitenden), sondern weil ich teilhabe an dem Licht der Herrlichkeit, dies kann ich in glücklichen Momenten spüren.

Ich freue mich darauf, mein Leben nach den Regeln Gottes einzuüben. Ja, eine gute Zeit, zu üben. Was werde ich davon in angespannteren Zeiten bewahren können?
Ich bin glücklich, ich genieße es, glücklich zu sein. Ich bin dankbar, dass ich glücklich sein kann, umgeben von Krieg, Leid und Not.  Gut, dass es solche Glücksansichten, Glückspausen gibt, wo wir Neues mit Gott ausprobieren können.
Ich habe die Hoffnung, dass auch die in den Krisengebieten der Welt verantwortlich Handelnden immer wieder auf solche Erfahrungen zurückgreifen können.
Der Sommer geht zu Ende, vielleicht blicken auch Sie auf eine gute Zeit der Erholung zurück, von der Sie noch lange zehren mögen.

Doris Sommer

Jemandem sein Glück glauben
 

Jemandem sein glück glauben
ist schwerer als
jemanden die trauer abnehmen

Wir schwimmen im see
die bergkette spiegelt sich
plötzlich schnellst du dich vorwärts
ich sehe nur tropfenfäden
du hast dich in sonne wasser und bewegung aufgelöst
vor begeisterung verschlucke ich mich
und versuche nachzukommen

Über das glück miteinander sprechen
ist noch schwerer
weil wir einander kaum trauen können
es kommt mir vor
wie die sache mit heiligenscheinen
wer weiß wie sie zustande kommen
wieso leute so etwas gesehen haben müssen
welche freude dazu geführt haben muß
jemanden leuchten zu sehen

Dorothee Sölle, aus: Dorothee Sölle: fliegen lernen,
Wolfgang Fietkau Verlag, Kleinmachnow 1997, S. 25.